corpus

Fotografie

Die Geschichte und Entwicklung der Fotografie ist unter dem technischen Aspekt gekennzeichnet durch die (Wieder-) Entdeckung des Prinzips der Camera obscura.

Die Camera obscura (lat.: Dunkle Kammer) war ursprünglich ein abgedunkelter Raum mit einem Loch in der Wand. Das darin einfallende Licht projizierte bei ausreichend kleinem Lochdurchmesser auf die gegenüberliegende Wand ein auf dem Kopf stehendes Abbild der Außenwelt. Dieses Prinzip erkannte bereits Aristoteles (384–332 v. Chr.) im 4. Jahrhundert v. Chr. Letztlich war aber der Erfinder und Maler Leonardo da Vinci (1452–1519) der Erste, der die Funktionsweise der Camera obscura richtig deutete. Die ursprüngliche Camera obscura wurde im 17. Jahrhundert zu einem transportablen Kasten weiterentwickelt. 

Die erste Fotografie enstand 1824 auf einer beschichteten Zinkplatte. Das älteste erhaltene Bild stammt aus 1826. Da es die erste Fotografie war mit der Camera obscura, hatte es eine Belichtungszeit von 8 Stunden.

Kürzere Belichtungszeit und Mehrfachabzüge
Nach jahrelangen Versuchen entdeckte Daguerre, dass schon durch kurze Belichtung einer Jodsilberplatte ein latentes (nicht sichtbares) Bild entsteht, das sich durch Bedampfung mit Quecksilber fixieren lässt.

Die Plattenverfahren
Das Verfahren von Talbot hatte eine niedrige Auflösung und war grobkörnig. Auch die Maserung des Papiers war immer deutlich sichtbar. Frederick Scott Archer überwand dieses Manko 1851 mit seinem "Nassen Kollodiumverfahren". Der Name stammt von der in Äther aufgelösten Baumwolle (Kollodium), die dabei verwendet wurde. Damit trug man das lichtempfindliche Material (Silberhalogenid) auf Glasplatten auf. Die Auflösung war deutlich besser, doch der Aufwand blieb enorm. Kollodium ist eine farblose, klebrige Masse, die an der Luft schnell erhärtet. Belichtung und Entwicklung mussten deshalb erfolgen, bevor das Material getrocknet war. Der nächste Durchbruch gelang 1871 Richard Leach Maddox. Mit einer Bromsilber-Gelatine-Schicht schaffte er es, eine Trockenplatte zu entwickeln, die den Nassplatten an Empfindlichkeit in nichts nachstand.

Der Rollfilm
Die Platten, die in den frühen Jahren der Fotografie als Träger für die lichtempfindliche Schicht benutzt wurden, erschwerten die Handhabung wesentlich. Nicht nur das Gewicht war störend: Für jedes Bild musste auch eine neue Platte in den Fotoapparat eingelegt werden. George Eastman entwickelte deshalb zusammen mit einem Partner 1889 den Rollfilm. Jetzt war es möglich, mehrere Bilder hintereinander zu machen. George Eastman war es auch, der auf die Idee kam, den Fotografen den lästigen und aufwendigen Prozess des Entwickelns und Abziehens abzunehmen. Für seine ersten selbstentwickelten Kameramodelle bot er diese Arbeiten als Dienstleistung an. Wer seinen Rollfilm vollgeknipst hatte, konnte den ganzen Apparat an Kodak einschicken und bekam wenig später die Abzüge und eine mit einem frischen Film bestückte Kamera zurück. Das ist einer der wesentlichen Gründe, weshalb die Fotografie ab der Jahrhundertwende immer beliebter werden konnte.

Kleinbildkameras und Farbfilme
Durch die verbesserte Lichtempfindlichkeit der Filme wurde es in den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts möglich, Klein- und Kleinstbildkameras herzustellen. Schon 1905 hatte Oskar Barnack die Idee, das Negativ-Format zu verkleinern, um die Fotografien nachträglich zu vergrößern. Als Entwicklungsleiter bei Leica entwarf er zehn Jahre später die erste Kleinbildkamera der Welt. Der Erste Weltkrieg verzögerte allerdings die Weiterentwicklung. Erst in den 20er Jahren stellte Barnack die erste Leica-Kamera fertig, die 1925 offiziell vorgestellt wurde. Das war eine Sucherkamera mit einem Objektiv von 50 Millimetern Brennweite, ein Standard der später hundertfach kopiert wurde. Neben der Sucherkamera konnte sich ab den 50er Jahren die Spiegelreflexkamera etablieren. Das Prinzip: der Lichteintritt wird in den Sucher gespiegelt. Dadurch kann der Fotograf genau sehen, was später das Bild zeigen wird. Der Umlenkspiegel, der das Bild in den Sucher projiziert, klappt beim Auslösen beiseite, so dass der Lichtstrahl den Film belichten kann. 1936 gelang es dann der Firma "Agfa" als erste, einen Farbfilm zu entwickeln. Jetzt konnte jeder nahezu wirklichtstreue Fotos von seiner Umgebung machen.

Die digitale Revolution
Die Verwendung von immer mehr Elektronik ließ die Fotoapparate im Laufe der Zeit zunehmend komfortabler werden. 1963 stellte die Firma "Canon" die erste Kamera mit automatischer Schärfeeinstellung vor. Rund zehn Jahre später folgt eine vollelektronische Kamera von Rollei, die Blende, Verschlusszeiten und Schärfe selbsttätig einstellen konnte. Gegen Ende des 20. Jahrhunderts wurde die gesamte fotografische Technik dann noch einmal durch die Digitalisierung revolutioniert. Nun war es möglich, die Fotos nicht mehr auf Filmmaterial, sondern auf digitalen Datenträgern zu speichern. Das ist billig und vereinfacht den Umgang mit dem Bild. Es kann direkt betrachtet und gegebenenfalls sofort gelöscht werden. Bildbearbeitungssoftware erleichtert die nachträgliche Bearbeitung und ermöglicht es so, Fehler im Foto auszubessern. Heute kann jeder mit Hilfe geeigneter Software seine Bilder nachbessern oder manipulieren. Zudem vereinfacht das Internet den weltweiten Austausch von Bildern, die nun als Dateien vorliegen.

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